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Szczecin (Stettin) - Schloss

Rados³aw Walkiewicz

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Silhouette des Schlosses von der Ostseite
Silhouette des Schlosses von der Ostseite
Fragment des Südflügels
Fragment des Südflügels
Gotische Krypta unter dem Nordflügel des Schlosses
Gotische Krypta unter dem Nordflügel des Schlosses
Grabtafel des Herzogs Barnim III. aus 1543
Grabtafel des Herzogs Barnim III. aus 1543

Das Schloss der Pommerschen Herzöge in Szczecin (Stettin) liegt auf einer Anhöhe, unweit des Flusses Oder, im nordöstlichen Teil der Altstadt. In historischen Quellen wird erwähnt, dass an dieser Stelle im 12. Jahrhundert das herzogliche "Pallacium" stand, aber die ältesten erhalten gebliebenen Überreste des Herzogssitzes stammen erst ca. aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.

Im Jahre 1346 bekam der Herzog Barnim III. von den Stadteinwohnern die Genehmigung zur Errichtung eines gemauerten Herzogssitzes. Aufgrund dessen wurden im nördlichen Teil der Anhöhe, an der Stelle des heutigen Nordflügels, ein Wohnhaus und westlich von ihm eine Kapelle errichtet, die mit der Zeit zur Stiftskirche ernannt wurde. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die bescheidene, mit einem fünfeckigen Chor ausgestattete Kirche um einen Umgang und Nebenschiffe erweitert. An einer der Umgangswände wurde eine fünfeckige Kapelle (spätere Gruft) angebaut, in der seit 1368 der Stifter ruht. Gegen 1400 wurde südlich des Wohnhauses ein Gebäude errichtet, das einen Rittersaal beherbergte. Die gesamte Anlage wurde von einer Mauer umgeben. In den Jahren 1428-30 ließ Kasimir VI. die südliche Festungsmauer abreißen und begann an der Stelle des heutigen Südflügels mit dem Bau eines "großen Hauses" mit einem Fangelturm und einer neuen Südmauer. Die Grundmauern in den Kellerräumen des heutigen Südflügels stammen aus dieser Bauperiode.

Der Südflügels wurde erst 1491 von Bogislaw X. (1478-23) fertiggestellt. Anlässlich seiner Hochzeit mit der polnischen Prinzessin Anna, der Königstochter von Kazimierz Jagielloñczyk, brauchte der Herzog einen geräumigeren und prächtigeren Sitz. Das zu diesem Ziel errichtete neue Haus war ein Gebäude auf dem Grundriss eines Vierecks mit einem Turm (heute Glockenturm), der in der hofseitigen Mittelachse des Gebäudes stand. Den älteren Turm (Fangelturm genannt) gab es an der südwestlichen Ecke. Im Kellerbereich wurden die bis heute erhaltenen Kreuzgewölbe mit Gurten, gestützt auf sieben achteckigen Säulen, eingezogen. Zwei oberirdische Geschosse wurden zweischiffig ausgeführt und mit Sterngewölben gedeckt. Im hofseitigen Erdgeschoss des Turmes wurde eine Diele und in der ersten Etage eine Wohnstube untergebracht.

Den Ausbau des Südflügels führte Barnim XI. (1531- 69) durch. An dieses Ereignis erinnert eine Gründungstafel aus dem Jahr 1538. Das Gebäude wurde um ein drittes Geschoss erhöht und mit einem Satteldach mit fünf Zwerchhäusern und Giebeln über den Längsfassaden versehen. Das dritte Geschoss und die Giebel wurden mit Blenden und Vorhangbogenfenstern ausgestattet. Das Giebeldreieck erhielt eine reiche Maßwerkdekoration. Die Blenden wurden mit Figurenmalereien verziert. Die beiden Türme wurden erhöht und mit dem gleichen System von Blenden, wie die Giebel geschmückt, sowie mit keramischen Helmen gekrönt. Im hofseitigen Turm wurde ein gewölbtes Treppenhaus eingebaut. Dieser Zustand hielt bis zum Brand im Jahre 1551, der die Innenräume zerstörte. Beim Wiederaufbau wurden im Erdgeschoss zwei mit Netzgewölben gedeckte Gemächer gebaut, und der verbleibende große Raum erhielt eine geschnitzte und bemalte Holzbalkendecke sowie einen auf sieben Säulen gestützten Unterzug. Die Verzierung der Decken knüpfte an die Gotik und an die Renaissance an. Wahrscheinlich begann Barnim XI. vor seiner Abdankung mit dem Bau des Ostflügels, der mehrere rechteckige, ziegelumrahmte Fensteröffnungen mit Biforien besaß (ein Paar von diesen Fenstern sind an der Fassade von der Oderseite erhalten geblieben).

In den Jahren 1575-77 führte der Baumeister Wilhelm Zacharias im Auftrag des Herzogs Johann Friedrich einen großen Umbau des Schlosses in einem an die italienische Renaissance angelehnten Stil durch. Im Jahre 1573 wurde die mittelalterliche Bebauung abgetragen: das Wohnhaus, die Hl. Otto-Kirche, die Wehrmauer und das Gebäude mit dem Rittersaal, wobei der Südflügel ("das große Haus") erhalten blieb. Im Rahmen der unternommenen Umbauarbeiten wurden der von Barnim angefangene Ostflügel und zwei weitere fertig gestellt. Der Nord- und Westflügel wurden neu gebaut. Um einen beinahe quadratischen Innenhof mit Abmessungen von ca. 57 x 53 m entstand ein dichtes Ensemble von Gebäuden. An die Ostfassade des Nordflügels wurde ein stattlicher Turm angebaut, der zur Schlosskapelle gehörte. Die neuen Renaissanceflügel wurden als unterkellerte dreigeschossige, mit Flachdächern abgedeckte Gebäude mit Attika errichtet. Die Attika mit den von Zapfen gekrönten Voluten und Pinakeln war im Sandstein gemeißelt. Die Ecken der Flügel und des Turmes wurden mit glatten Putzquadern verziert, die Fenster wurden von profilierten Steinrahmen eingefasst. Beide Türme wurden erhöht und mit Helmen gedeckt.

Der West- und der Nordflügel erhielten Kreuzgänge, und am Ostflügel wurde eine überdachte Eingangstreppe angebaut. Die Kommunikation zwischen den Geschossen sicherten die geräumigen Treppenhäuser in den neuen Flügeln sowie die Treppen in den Türmen am Süd- und Westflügel. Das Treppenhaus im Nordflügel sowie das identische im Westflügel verfügten über die ersten in Westpommern "italienischen" gegenläufigen Treppen. Im Erdgeschoss des Nordflügels platzierte man die Hl.-Otto-Kirche, die Durchgangs-Einfahrtsdiele, das Treppenhaus, die Räume für Höflinge und das herzogliche Oratorium. Die erste Etage beherbergte die Gemächer des Herzogs und die zweite die der Herzogin. Alle Räume hatten ein Tonnengewölbe mit einer niedrigen Stichhöhe, und Lünetten mit spitzen Graten. Das Gewölbe stützte sich in der Mitte auf quadratisch gemauerte Pfeiler und achteckige Sandsteinsäulen. Der Innenraum der Kapelle wurde mit einer Reihe von Wandpfeilern eingefasst, über denen das Tonnengewölbe mit Lünetten gezogen war. Zwischen den Wandpfeilern wurden zweigeschossige Renaissanceemporen angebaut. Der Haupteingang zur Kapelle befand sich im Westen und lag im Glockenturm. Die Kapelle war auch von den herzoglichen Appartements zugänglich. Im Erdgeschoss des Ostflügels gab es Hofämter, in der ersten Etage Audienzräume und Wohnstuben der Höflinge und Herzogsbeamten. Oben lag das Frauenzimmer der Herzogin. Die Gewölbe stützten sich auf quadratische Pfeiler. Im Kellerbereich des Westflügels wurden Ställe, und im Erdgeschoss Räumlichkeiten für die Diener untergebracht. In den oberen Etagen waren Gewölberäume für Gäste platziert. Die Gewölbe lagen auf runden Säulen aus Sandstein mit einem Durchmesser von 1,5 Fuß (ca. 47cm). Die Wände der Innenräume bedeckten Wandteppiche und bunte Stoffe, sie waren auch mit Wandmalereien bzw. Wandtäfelung mit Intarsien verziert. Beispiele für die Wandmalerei aus der Zeit des Renaissanceausbaus des Schlosses, vermutlich von Christof Schreiber, sind an den Wänden und am Gewölbe des Turms an der südwestlichen Ecke des Südflügels erhalten geblieben. Die Deckenbalken verzierten die in Weiß, Gelb, Rot und Grün gemalten Ranken. Die Innenräume der Gemächer wurden mit reich verzierten Kaminen, Öfen und Türen ausgestattet.

Im Jahre 1616 begann Herzog Philipp II. mit dem Bau des Museumsflügels, des letzten Elementes des Schlossensembles. Nach Philipps Tod wurde der Bau im Jahre 1619 von Franz I. zum Abschluss gebracht. Der westlich des Schlosses gelegene fünfte Flügel wurde mit dem Westflügel durch zwei Verbindungsbauten mit Einfahrtstoren zusammengeführt. Damit entstand im Schloss ein weiterer Innenhof, der ursprünglich als Brunnenhof und später als Münzhof gedient hat. Das dreigeschossige Gebäude des neuen Flügels war unterkellert, besaß ein Satteldach mit Zwerchhäusern und Giebeln und stand unter erkennbarem Einfluss der niederländischen Renaissance. Das Erdgeschoss wurde mit einem Kreuzgewölbe gedeckt, das sich in einigen Räumen auf runden Ziegelsäulen und in anderen auf achteckigen Steinsäulen stützte. In den Innenräumen in der ersten Etage wurden Decken gezogen. Das Erdgeschoss beherbergte einen Wagenschuppen und ein Zeughaus, das erste Obergeschoss das Kabinett des Herzogs, seine Bibliothek und die Kunstsammlung.

Im Jahre 1637, nach dem Tod des letzten pommerschen Herzogs Bogislaw XIV., ging Stettin in die schwedischen Hände über. Die neuen Nutzer des Schlosses trotzten der Absicht, das Schloss zu einer Residenz im Barockstil umzubauen (1688 fertigte der Architekt Nikodem Tessim der Jüngere Umbaupläne an). Sie begrenzten sich letztendlich auf einfache Restaurationsarbeiten und die Beseitigung von Schäden, die die brandenburgische Armee während der Stadtbelagerung im Jahre 1677 anrichtete. Im Jahre 1694 bekam der Turm des Südflügels eine astronomische Uhr.

1720 wurde Stettin dem preußischen Staat einverleibt. Das Schloss wurde zum Sitz der Staatsämter. Im Verlauf des 18. und des 19. Jahrhunderts erfuhr das Ensemble zahlreiche Umbauarbeiten, die das Schloss beinahe komplett um die Architekturformen der Spätgotik und der Renaissance brachten. Der Südflügel wurde am radikalsten umgebaut. Seine Tragwände wurden bis zur Höhe des Erdgeschosses abgetragen und neu hochgezogen. Räume im Kellerbereich, Erdgeschoss sowie beide Türme sind erhalten geblieben. Vom ganzen Gebäudeensemble erfuhr der in den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts restaurierte Nordflügel die geringsten Änderungen.

Am 17. August 1944 wurde das Schloss infolge eines Bombenangriffs der Alliierten abgebrannt. Dächer, Gewölbe und Decken stürzten zusammen. Die Ausstattung des Schlosses wurde zerstört. Der Wiederaufbau begann 1950 und endete 1984. Der Hauptarchitekt war Stanis³aw Latour, mit dem 30 verschiedene Bauplaner und Architekten zusammenarbeiteten. Im Wiederaufbauprozess erhielt das Schloss die Form, die es zu seiner Blütezeit hatte, das heißt aus der Renaissance. Bei der Wiederherstellung der alten Formen wurden als Bildmaterial herangezogen: ein Stich von Mathäus Merian aus dem Jahr 1652, Zeichnungen des schwedischen Künstlers Johann Joachim Zeuner und die Ansicht des Schlosses auf einem Bild von Ludwig Most aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die späteren Anbauten, die das Renaissancesystem verschwinden ließen, wurden abgetragen. Die Maßwerkdekorationen an den Giebeln, die Zwerchhäuser und Blenden am Südflügel wurden wiederhergestellt. Die Attika und Doppelportale sowie das Außenbild des Museumsflügels wurden in ihrem ursprünglichen Zustand gebracht. Der Wiederaufbau des Schlosses erfolgte in mehreren Etappen: des Nordflügels in den Jahren 1958-60, des Ostflügels in den Jahren 1961-65, des West- und Museumsflügels 1971-76, des Nordflügels in der Periode 1972 bis 1980. Die Kreuzgänge an den drei Schlossflügeln wurden 1961-75 rekonstruiert. Am Pflaster im Schlossinnenhof sind Grundrisse der ehemaligen Hl.-Otto-Kirche und der herzoglichen Gebäude aus dem 14. und 15. Jahrhundert erkennbar. Sie wurden bei den archäologischen Ausgrabungen entdeckt, die in der Zeit 1947-48, 1968 und 1973-74 durchgeführt wurden. Im Jahre 2005 wurden Restaurierungsarbeiten aufgenommen, die u.a. den Austausch des Putzes an den Fassaden sowie den Umbau des Verbinders zwischen dem West- und Südflügel umfassten.

Nach dem Abschluss seines Nachkriegswiederaufbaus wurde das Schloss zum Sitz von Kultureinrichtungen, die die Namen "Schloss der Pommerschen Herzöge" und "Oper im Schloss" führen. Seit 1999 ist hier auch das Marschallamt der Woiwodschaft Zachodniopomorskie untergebracht.

 
 

© Zamek Ksi±¿±t Pomorskich w Szczecinie, 2006 zurück | hinauf